"Stillstand
ist gleichbedeutend mit Rückschritt, daher sehen wir Investitionen
als Fortschritt und Weiterentwicklung", erklärt Claudia
Bikar. Und die junge Frau weiß wovon sie spricht. Permanentes
Investieren in neue Technologien im Bereich Maschinenpark,
Supply Chain und Logistik ist für die Bikar Metalle GmbH
in Bad Berleburg-Raumland ein Muss und gleichzeitig Garant
für den Erfolg des Familienunternehmens, das bereits in
der dritten Generation besteht.


1963
von Radomir Bikar und seiner Frau Luise als Metallhalbzeughandel
gegründet, steht die Firma mittlerweile unter Führung
der beiden Söhne Aleksandar und Konstantin. Das Unternehmen
verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen im Handel, dem
Zuschneiden und Anarbeiten hochwertiger Metalle. "Gleichbleibend
hohe Qualität, Termintreue sowie der ständige Blick nach
vorn, waren und sind ausschlaggebende Faktoren in unserem Haus",
erläutert Claudia Bikar, die Tochter von Aleksandar Bikar. "Laufend
neue Investitionen in den Bereichen Lagerbestand, Maschinenpark,
Kommunikationstechnik und EDV sorgen heute für eine reibungslose
und vorbildliche Auftragsabwicklung."

Hightech
in den Produktionshallen
Hightech
in den Bad Berleburger-Produktionshallen ist unterteilt in den
Press- und Ziehbereich (Werk 1), den Walzbereich (Werk 2) und den
Gussbereich in Werk 3. Betritt man die Werkshallen so scheint die
Produktion sich nahezu wie von Geisterhand zu bewegen. Die Maschinen
von Bikar leisten erstaunliche Akkordarbeit. Die rund 100 Beschäftigten
arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. Vollauslastung
eben. Es "brummt" in dem Wittgensteiner Unternehmen. Allein
im vergangenen Jahr wurden hier 45 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.
Neue Hochgeschwindigkeits- und Präzisionssägen sind im
ständigen Einsatz und werden alle fünf Jahre ausgetauscht,
um immer auf die neueste Maschinentechnologie zurückgreifen
zu können. "Dies spiegelt sich nicht zuletzt in Qualität
und Lieferschnelligkeit wider", meint Claudia Bikar. "Dennoch
sind unser größtes Kapital die Mitarbeiter, ohne deren
Mitwirken wir die gesetzten Ziele nicht erreichen könnten."


In
einem Hightech-Hochregal-Lager mit einer Gesamtkapazität
von 9.500 Tonnen führt ein Hochleistungs-Regalbediengerät
die entsprechend zu bearbeitenden Materialien ein und aus. Der
gesamte Logistikprozess geschieht allein über ein hauseigenes
Computerprogramm, welches unter anderem das Verfolgen von Material
zu jedem Prozess-Schritt ermöglicht. Das Regalbediengerät
transportiert das Material über Kassetten direkt an die Sägen,
wo es von Vakuum-Saugern oberflächenschonend auf die Maschinen
gehoben wird. So haben Aleksandar und Konstantin Bikar in Zusammenarbeit
mit der August
Mössner GmbH & Co. KG aus Eschach zum Beispiel
eine circa 36 Meter lange Säge konstruiert, auf der Aluminium-Gussblöcke
mit den Maßen 4200 x 2300 x 1200 Millimeter auf fast jedes
Kundenwunschmaß zugesägt werden können. Anschließend
kommissioniert ein Manipulator automatisch die geschnittenen Blöcke
nach Kundenauftrag. Die Späne, die bei der Arbeit entstehen,
werden über ein Absaugsystem von der Säge entfernt und
nach verschiedenen Legierungen sortiert. Bei einigen Werken erfolgt
anschließend ein Einschmelzen, um so auch die Reste wieder
dem Materialkreislauf zuzuführen und umweltschonend zu agieren.
"Bikar
Metalle hat sich auf Nicht-Eisen-Metalle und Kunststoffe
spezialisiert - unter dem Motto 'Alles aus einer Hand'",
geht Claudia Bikar im Gespräch mit dem WIRTSCHAFTSREPORT
ins Detail. Aluminium als Hauptschwerpunkt, daneben Kupfer,
Messing, Rotguss, Bronze, Kunststoffe und andere Sonderwerkstoffe.
Das Produktspektrum ist groß. Rund 13.000 Artikel beherbergen
die Lager des Halbzeughändlers. Bleche, Platten und
Zuschnitte aber auch Stangen, Zeichnungsteile oder Profile
in jeglichen Formen gehören zum Portofolio. "Zu
einem ständig wachsenden Anteil verlassen Halbfertigprodukte
unsere Werkshallen", erläutert die 27-Jährige. "Das
sind größtenteils Zuschnitte hoher Maßhaltigkeit,
die geringeren Aufwand in der Weiterverarbeitung und weniger
Abfall verursachen. So ist die Erzeugung von Ronden und Ringen
in allen möglichen Dimensionen in einem breiten Werkstoff-
und Dickenspektrum ein Standardangebot." Geliefert werden
alle Mengen: Von kleinen Abschnitten einer Bronzestange,
aus der der Schlosser eine Lagerbuchse drehen will, bis hin
zu kundenspezifischen Großaufträgen, die einen
beträchtlichen Unternehmensumsatz ausmachen.
Gegliedert
sind die verschiedenen Geschäftszweige in den Gussbereich,
die Walzprodukte sowie in Press- und Ziehprodukte. Die wichtigsten
Kunden der Bad Berleburger Firma sind der Formen- und Modellbau,
der Werkzeugbau sowie der Maschinen- und Anlagenbau aber
auch die Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Der Exportanteil
liegt bei circa 30 Prozent und umfasst alle Teile der Welt.
Bereits 1999 gründete das Wittgensteiner Unternehmen
eine Niederlassung mit Verwaltung, Lager und Zuschnittzentrum
in Singapur, um direkt am asiatischen Markt präsent
zu sein. "Im letzten Jahr haben wir für diese Niederlassung
die Luftfahrtzulassung erhalten und können nun auch
in diesem Bereich unsere Dienste anbieten", meint Claudia
Bikar. |
|
|
"Gleichbleibend
hohe Qualität,
Termintreue sowie der ständige Blick nach vorn, waren und sind ausschlaggebende
Faktoren in unserem Haus", erläutert Claudia Bikar. |
|
Stillstand
bedeutet Rückschritt
Da
Stillstand Rückschritt bedeutet, befindet sich das Familienunternehmen
auf Expansionskurs. Nach dem Erwerb eines dritten Werkes im Jahr
2005 wurden erst im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Euro in ein
zusätzliches Sägezentrum für den Gussbereich investiert,
da alle vorhandenen Kapazitäten mehr als voll ausgeschöpft
waren. Dieses Jahr fließen weitere 1,5 Millionen in eine
neue Kreis- und Bandsäge, die ebenfalls für den Gussbereich
bestimmt sind. "Ein zusätzlicher Fokus liegt auf der
weiteren Durchdringung des gesamten Unternehmens mit automatisierten
Abläufen, um die Auftragszeiten noch weiter zu senken",
so Claudia Bikar. "Das über Jahre, mit eigenen Programmierern
entwickelte IT-System, das vom Vertrieb über die Lagerwirtschaft
bis zur Anbindung jeder einzelnen Maschine reicht, wird permanent
weiterentwickelt, um Abläufe zu optimieren und letztendlich
noch schneller und kostengünstiger zu gestalten." Es
tut sich was in der Firma. Neu ist ebenso eine Kooperation mit
dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, mit dem gemeinsam das Produkt bikey® (www.bikey.com)
entwickelt wurde. Eine flexible, auf Transponder-Technologie basierende
Fahrradgarage, die erstmals dem Betreiber die Möglichkeit
bietet, rund um die Uhr eine Fahrradbox mehrfach zu vermieten.
Die Fahrradgaragen sind bereits an den Bahnhöfen Bottrop,
Grevenbroich und Witten stationiert. "Blaue Boxen beherbergen
die von Kunden mitgebrachten eigenen Drahtesel. Aus den roten Fahrradgaragen
können bikey-Leihfahrräder
entnommen werden", erläutert
Claudia Bikar das System. "Interessant ist das Angebot insbesondere
für Städte, Kommunen und Flughäfen aber natürlich
auch für die Industrie, Vergnügungsparks oder Bike-Arenen."

